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Jahreskonferenz 2012

Ja zu Schwächen und zu Stärken

Die Evang. Missionsschule in Unterweissach feierte am Sonntag, den 17. Juni, ihr Jahresfest. Gut 1000 Gäste füllten das Festzelt bereits zum Gottesdienst, den der Direktor der Missionsschule, Pfarrer Thomas Maier, eröffnete. Die Gäste stammen aus den umliegenden Gemeinden aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz. So erhält das Jahresfest stets auch ein gewisses internationales Flair.

Im Festgottesdienst wurden nach vierjährigem Studium und einjährigem Anerkennungsjahr zehn Absolventen der Ausbildung ordiniert. Bei ihrer Vorstellung präsentierten sie ihre unterschiedlichen Arbeitsbereiche als Jugendreferenten, Streetworker oder Diakone und Religionslehrer. Als solche sind sie tätig in Gemeinden von Rostock bis Stuttgart. Praxisdozentin Petra Müller wünschte den Absolventen, dass sie in ihrer Arbeit stets das passende Werkzeug finden mögen, damit spielte sie auf das in der Ausbildung erworbene Handwerkszeug an. Bei der Ordination werden die Männer und Frauen gesegnet und aufgenommen in die Bahnauer Bruderschaft. Damit sind sie Mitglied eines rund 400-köpfigen Verbandes von Männern und Frauen, die im gesamten deutschsprachigen Raum insbesondere als Diakone, Pfarrer, Jugendreferenten oder Prediger tätig sind. Der Vorsitzende der Bahnauer Bruderschaft, Ralf Dörr, Leitender Jugendreferent in Reutlingen, betonte, dass kirchliche Mitarbeiter keine Dienstleister seien. „Denn wir sind Gemeinde und nicht Publikum.“ Diakone seien keine Alleskönner oder solche, die die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten. Dörr: „Wir haben kein Alleinstellungsmerkmal – aber eine Gemeindestellungsmerkmal weil wir in Gemeinden gestellt sind.“ Das sei die besondere Verantwortung, so Dörr. Die Bahnauer Bruderschaft wurde bereits 1906 in der Nähe des damaligen Königsberg gegründet.

Dr. Roland Werner, CVJM-Generalsekretär aus Kassel, ermunterte in seiner Predigt zu einem Ja zur Kraft Gottes, zu einem Ja zu Schwächen und Leiden und zu einem Ja zur Gnade Gottes. Stärken und Begabungen würden in christlichen Kreisen oft kleingeredet, so Werner. Polemisch fügte er hinzu: „Wir wollen nicht die kleine Zahl verherrlichen!“ Es sei auch wichtig, dass wir die Fähigkeiten der anderen nicht neidvoll beargwöhnen sondern auch ein Ja zu den Begabungen derer, die neben uns arbeiten und leben, haben. Werner forderte auch ein Ja zur Kraft in der Gemeinde. Er sieht die Gefahr, „dass wir die Gemeinde unterfordern, dass wir sie mit ein paar Streicheleinheiten ab und zu pflegen“ aber nicht wirklich ihre Begabungen entwickeln und herausfordern.

Das Ja zur Schwachheit bedeute nicht, Schwäche und Leiden zu glorifizieren sondern die eigenen Grenzen – auch die körperlichen – anzunehmen und zu akzeptieren. 

Den Gipfel der biblischen Botschaft sieht Werner in der Gnade Gottes; darum forderte er auch dazu ein uneingeschränktes Ja: „In der Gnade verbinden sich Gottes Kraft und unsere Bedürftigkeit. Die Erfahrung der Gnade ist der Schlüssel zu Jesus und seinen Ressourcen.“ 

Mitgestaltet wurde der Gottesdienst durch ein fünfköpfiges international besetztes Bläserensemble „Classic Brass“, das von Jürgen Gröblehner geleitet wird. Die Studierenden an der Evangelischen Missionsschulen präsentierten unter Leitung von Uli Staudenmaier frische Lieder. Im parallelen Kinderprogramm spielte die Zappelbude aus Witten spannende Geschichten als Marionettentheater. 

Direktor Thomas Maier sprach in seinem Bericht von der Bedeutung der Theologie. „Man muss die Menschen aus dem einlinigen Denken herausreißen.“ forderte Maier auf zu differenziertem und gründlichem Nachdenken. Die Studierenden sollen die ganze Breite des Lebens zulassen und die vielfältigen Weisen der Begegnung Gottes ernst nehmen. 

Für den Dienstag, dem zweiten Tag der theologischen Konferenz, gibt es eine Programmänderung: Der Referent Pfarrer Hanspeter Wolfsberger musste krankheitsbedingt absagen. Dafür wird Pfarrer Thomas Maier, Direktor der Missionsschule, um 10.00 Uhr zum Thema sprechen: Schwachheit erleiden und bejahen – heilsamer Weg der Gnade. 

Manfred Zoll

 


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